Schrebergärtnerin aus Leidenschaft - Leyla Camkerten-Benli

Mainz persönlich: Die Macher vom Schrebergarten

„Der Name „Schrebergarten“ verbindet all das, was den Kumpir-Gedanken ausmacht“, sagt Leyla Camkerten-Benli. Und beschert Mainz mit der an sich so profanen Kartoffel besonderes Geschmackserlebnis. Daniel Sieben ist vielen durch Luups Mainz bekannt, ihm  gehört die Agentur „In allen Gassen“ und er ist der kreative Part des Schrebergartens. Der für ihn wie „eine einzige große Familie“ ist. Und ein Synonym für „Gemüse“ und „Gemütlichkeit“ zugleich.

Leyla, wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet einen Kumpirladen aufzumachen?

Leyla Mein Mann und ich sind beide Vegetarier. Als schnellen Snack und tolle Alternative zur Falafel, haben wir schon immer gerne Kumpir gegessen. Dieses Gericht ist unglaublich facettenreich. Es fasziniert mich immer noch, was man alles aus der Kartoffel machen kann. Und als ich mal ein halbes Jahr in San Diego war, habe ich dort öfter ein Café besucht, dass sich ´Living Room` nannte. Die Atmosphäre war toll, Alt und Jung haben sich dort getroffen, es gab Kleinigkeiten zum Essen. Dieses Gefühl habe ich versucht, an den Gartenfeldplatz zu transportieren. Der Schrebergarten ist damit ein Konglomerat an Erfahrungen und Ideen, die ich in meiner Vergangenheit gemacht habe.

Leyla Camkerten-Benli: Die Gründerin des "Schrebergartens" hat Kumpir in Mainz eingeführt.

Leyla Camkerten-Benli: Die Gründerin des „Schrebergartens“ hat Kumpir in Mainz eingeführt.

Neben dir sitzt Daniel. Ihr betreibt den Schrebergarten als Partner. Wie kam es dazu?

Daniel Ich betreibe den LUUPS Shop in der Neustadt. Dort haben wir uns kennen gelernt. Leyla hat dort Geschenke gekauft. Wir sind ins Gespräch gekommen und Leyla hat erzählt, dass sie einen Kumpirladen aufmachen möchte. Kumpir kannte ich aus Istanbul, dort ist das wirklich weit verbreitet. Als ich dann erfuhr, dass sie dieses Ladenlokal hier am Gartenfeldplatz bekommen hat, war ich total begeistert. Schließlich liegt der LUUPS Shop gerade um die Ecke und ich habe mich einfach über die kulinarische Bereicherung hier in der Neustadt gefreut. Ja, und in dem Zusammenhang habe ich Leyla angeboten, sie mit meiner Agentur „In allen Gassen“ bei der Konzeption und Werbung zu unterstützen.

Leyla, aber du bist die alleinige Inhaberin?

Leyla Ja – aber alleine wäre das hier natürlich niemals für mich zu stemmen. Wir sind heute mit knapp 30 Leuten ein richtig großes Team, in dem jeder seine Aufgabe hat. Der Pool muss einfach so groß sein, um alles in vollem Umfang stemmen zu können und auch, um persönlich ein bisschen flexibel zu sein. Und damit alles auch gut gemanagt wird, ist Daniel als fester Teil des Teams für Personalplanung und Werbung zuständig.

Daniel Für mich ist das damit hier auf jeden Fall mehr als ein Auftrag geworden. Ich finde es extrem spannend zu beobachten, was aus der ersten Idee geworden ist und wie sich der Schrebergarten weiter entwickelt und etabliert hat. Und an der Schrebergarten-Familie fasziniert mich immer wieder, wie gut sich alle verstehen und was sie in ihrer Freizeit alles so zusammen unternehmen. Zu spüren, dass das hier für unsere Leute ein Job ist, den sie gerne machen, das ist einfach toll!

Daniel Sieben: Ideengeber, Kreativer und Personaler im Schrebergarten.

Daniel Sieben: Ideengeber, Kreativer und Personaler im Schrebergarten.

Wie ist die Entscheidung für die Lage am Gartenfeldplatz gefallen? War das Zufall?

Leyla Ja, tatsächlich. Eigentlich wollten wir gerne auf den Uni-Campus. Das hat sich aber irgendwie als sehr schwierig herausgestellt. Mein Mann und ich waren dann hier im Vorgängerladen Falafel essen und kamen mit der Vertreter des damals erkrankten Dönerladenbesitzers ins Gespräch. Als klar wurde, dass der Laden zugemacht werden sollte, hat es bei uns „Klick“ gemacht. Tja, und dann hatten wir das Glück, hier den Zuschlag zu bekommen.

Und? Seid ihr glücklich, hier am Gartenfeldplatz?

Leyla Wirklich sehr. Wir haben Glück gehabt. Und haben uns natürlich auch ein bisschen ins gemachte Nest gesetzt, mit unseren tollen Nachbarn hier. Das ergänzt sich hier alles so prima.

Daniel Also, diese Nachbarschaft hier, die muss man wirklich noch mal hervorheben. Das ist überragend, wie man sich hier miteinander umgeht. Es existiert einfach kein doofes Konkurrenzdenken. Jeder hilft jedem, wenn es nötig ist.

Und wir kommt man dann auf ausgerechnet auf den Namen „Schrebergarten“ für einen Kumpirladen?

Daniel Nach schier unendlichen Brainstorming-Runden. Irgendwann ging es dabei um Begriffe wie „Kartoffel“, „Gemüse“, „gemütlich“… Wir hatten kleine Bedenken, dass es irgendwie altbacken wirken könnte, aber haben uns dann vorgenommen, den Begriff einfach mit neuem Leben zu füllen.

Leyla Wir konnten uns tatsächlich über einen sehr langen Zeitraum nicht auf den Namen festlegen. Aber der Name „Schrebergarten“ verbindet all das, was den Kumpir-Gedanken ausmacht. Und die Kartoffel ist sowieso völlig unterschätzt. Das Schöne ist, dass wir uns hier mitten in der Stadt eine kleine grüne Oase schaffen konnten. Und trotzdem ist es immer noch ein Schnellimbiss. Aber immer mit der höchstmöglichen Gemütlichkeit.

Kumpir - leckere Spezialität vom Schrebergarten

Kumpir – leckere Spezialität vom Schrebergarten

Wie sah dein Leben „vor“ dem Schrebergarten aus?

Leyla Ich habe lange studiert, und zwar Kulturantrophologie, Amerikanistik und Theaterwissenschaft. 2013 war mein Studium endlich beendet und dann habe ich direkt mit der Planung für den Schrebergarten begonnen. Nach so viel Theorie und Wissenschaft war mir sehr danach, etwas Praktisches zu machen. Im Juni 2014 haben wir dann den „Schrebergarten“ eröffnet. Ich bin ganz glücklich, dass ich mich nun mich nun mit einer Sache beschäftigen kann, die etwas Gesundes und noch dazu Vegetarisches bietet, dass ich einen Laden habe, der in unseren Zeitgeist passt und trotzdem auch noch gemütlich ist.

Also: Dann jetzt endlich zur Hauptsache des Schrebergartens – den Kumpir! Was genau verbirgt sich dahinter?

Leyla Die Basis des Kumpir ist natürlich die Kartoffel. Derzeit beliefern uns ein Bio-Bauer und ein naturnaher Bauer. Wir brauchen Kartoffeln in einer bestimmten Größe – eine Kumpir-Kartoffel sollte 300 bis 350 Gramm schwer sein. Am Anfang war das ein echtes Problem, so viele große Kartoffeln zu bekommen, wie wir sie brauchten. Die Kartoffeln werden rund 60 Minuten hier in unserem Kumpir- Ofen – ohne Folie darum – gebacken. Der markanteste Unterschied zur normalen Ofenkartoffel ist, dass das Innere der Kartoffel mit Butter, Käse und Salz vermengt wird. In der veganen Variante wird Walnussöl und Salz genommen. Dafür wird die Kartoffel oben aufgeschnitten und dann wird das Innere mit unserem Spezialwerkzeug, einem „Göffel“ – einer Mischung aus Gabel und Löffel – püriert. Und dann wird das Ganze mit den unterschiedlichen Zutaten belegt. Ähnlich wie in einer Pizzeria gibt es unterschiedliche fest zusammengestellte Varianten und die Möglichkeit, selbst zusammenzustellen.

Wie sieht es mit Events bei euch aus? Beteiligt ihr euch an welchen – führt ihr selbst welche durch?

Leyla Klar. Zum Beispiel zuletzt bei der Stjl-Messe oder hier beim Gartenfeldplatzfest. Und – das dürfen wir heute schon verraten – wir werden nun auch eine kleine Terrasse vor dem Laden bauen dürfen. Das ist dann die nächste Feier, die wir hier planen.

Leyla, ein paar persönliche Fragen an dich als Inhaberin und Initiatorin des „Schrebergartens“: Wie sieht der beste Moment des Tages für dich aus?

Leyla Die ehrliche Antwort? Die Couch zuhause!

Ein Teil des Schrebergarten-Teams im Einsatz.

Ein Teil des Schrebergarten-Teams im Einsatz.

Und was inspiriert dich – im Job, oder auch im Alltag?

Leyla Auch wieder die ehrliche Antwort: Das sind Krimi-Serien! Ich habe lange überlegt, woran das liegt. Ich glaube es liegt daran, dass man genau beobachten muss, und auch ein bisschen Abenteuer dabei ist.

Was liebst du an Mainz besonders?

Leyla Die Menschen, die offene Art – wie ich finde, gerade auch hier in der Neustadt – das freundliche Miteinander. Und natürlich den Rhein. Das alles gibt der Stadt einfach ein besonderes Flair.

Wie sieht dein perfekter Tag in Mainz aus?

Leyla Der beginnt mit einem Frühstück hier in der Annabatterie. Dann geht es weiter auf den Markt, frisches Gemüse und Obst kaufen und am Rhein entlang zurück flanieren. Am Nachmittag gönne ich mir noch ein Eis bei meinen Freunden von N’Eis. Auch wenn sich das jetzt alles ein bisschen plakativ anhört: Es macht mir einfach Spaß, mich hier in der Gegend gemütlich aufzuhalten, etwas zu essen, irgendwo hinzusetzen, zu plauschen – es ist einfach so. Ich mag es einfach auch, meine „Kollegen“ vpm Gartenfeldplatz zu treffen.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? – Einmal Schrebergarten, immer Schrebergarten?

Leyla Das weiß ich eigentlich noch gar nicht … Das hängt natürlich auch davon ab, wie unser Angebot weiter angenommen werden. Es ist so, dass wir täglich unser Bestes geben, um mit unserem kleinen Schrebergarten weiter glücklich zu sein. Aber ich bin auch für das offen, was vielleicht noch kommt. Vielleicht hecken wir ja irgendwann mal etwas gemeinsam aus, mit unseren Freunden von der Gartenfeldplatz GmbH und Co KG.

Danke euch beiden, für das Gespräch. Und weiterhin viel Erfolg!

Neugierig? Dann nix wie hin!

Schrebergarten
Kurfürstenstraße 9
55118 Mainz
Tel. 06131 6937740

Öffnungszeiten: Mo – Fr 11.30 bis 20.30 Uhr, Sa + So 12 bis 20 Uhr.

www.schrebergartenmainz.de
www.facebook.com/schrebergartenmainz
www.instagram.com/schrebergartenmainz

 

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