Vera Kohl von der "dicken lilli"

Mainz persönlich: Vera Kohl. dicke lilli, gutes kind.

Die Seele baumeln und den Blick über die wuselige Gaustraße schweifen lassen – im Café „dicke lilli – gutes Kind“ findet man die dafür besten Voraussetzungen. Die Idee für ein Café in diesem Stil hatte Vera Kohl gemeinsam mit ihrer Mutter. Als der Wunschladen dafür frei wurde, zögerten sie nicht lange und eröffneten im November 2012 das Café „dicke lili, gutes kind“.

Für alle, die es noch nicht wissen: Warum heißt die „dicke lilli, gutes kind “ so, wie sie heißt?

Vera: Das hat mehrere Gründe. Einmal heißt so die Biographie von Lili Palmer. Das ist aber nicht der Hauptgrund. Mein Vater fand diesen Buchtitel, so witzig, dass er ihn in seinen Sprachgebrauch aufgenommen hat. Und wenn jemand etwas sehr gut macht, dann sagt er das. Ob ich die Hausaufgaben gut gemacht oder meinen Teller leer gegessen habe. Nun sollte der Name des Cafés etwas mit der Familie zu tun haben und wir hatten den Anspruch etwas sehr gutes hier zu machen, sodass der Papa sagen könnte „dicke Lilli, gutes Kind“. So hat das einfach alles gepasst.

Vera packt gerne und regelmäßig mit an, in ihrem Café "dicke lilli, gutes Kind"

Vera packt gerne und regelmäßig mit an, in ihrem Café „dicke lilli, gutes Kind“

Wann und wie bist du dann mit der „dicken lilli“ gestartet?

Vera: Meine Mutter hat zu der Zeit aber noch in Spanien und ich in London gewohnt und gearbeitet. Wir haben überlegt, was wir zusammen machen könnten, wo unserer beider Talente miteinander verbunden werden könnten. Meine Mutter ist Künstlerin, ich habe beim Fernsehen gearbeitet. Und was mögen wir selbst am allerliebsten? Kaffee und Kuchen! Und so ist die Idee geboren worden. Der Laden ist schon relativ früh ins Auge gefallen, schon als hier noch ein Pop-up-Coffee-Shop drin war. Als dann irgendwann hier dick und fett in den Fenstern stand „zu vermieten“, wussten wir, dass wir zuschlagen müssen. Am 7. November 2012 haben wir dann eröffnet.

Ihr habt keinen gastronomischen Hintergrund?

Vera: Nein, überhaupt nicht. Das war ein Sprung ins kalte Wasser und ein „Learning by doing“. Wir sind durch eine harte Schule gegangen. Die ersten sechs Monate hat keiner geschlafen. Ich wusste überhaupt nicht, wieviel Mehl, Butter, Milch man braucht. In der ersten Woche habe ich gemerkt, ich brauche keine zehn – ich brauche hundert Liter Milch! Wir sind mit einer gewissen Naivität an die Sache heran gegangen. Aber es war eine gesunde Naivität. Sonst hätte ich es mich nie getraut. Und trotzdem möchte ich nichts mehr anderes machen!

Habt ihr euch bewusst für die Gaustraße entschieden?

Vera: Ja das war eine ganz bewusste Entscheidung. Die Gaustraße war zwar damals unter Einzelhändlern und Gastronomen ziemlich unbeliebt. Hier hat viel aufgemacht und wieder zugemacht. Jedem dem wir das erzählt haben, hat den Kopf geschüttelt. Wir haben die Straße aber schon immer als einen sehr besonderen Ort in Mainz gesehen und es war glücklicherweise so, dass wir Gäste vom ersten Tag an hatten. Und die Gaustraße ist mittlerweile der Place to be – worüber wir sehr glücklich sind.

Ein Markenzeichen ist die Installation der tollen Sammeltassen von Veras Mutter.

Zum Markenzeichen ist die Installation der tollen Sammeltassen von Veras Mutter geworden.

Wie seid ihr aufgenommen worden?

Vera: Die Mainzer sind ein sehr dankbares Publikum. Nicht, weil sie keinen Anspruch an Qualität haben, sondern weil sie nicht viel Auswahl haben. Alles was neu ist und gut ist, wird gut angenommen. Wir haben hier ein sehr gemischtes Publikum.  Das was wir uns vorgenommen haben, aber nicht wussten, wie das zu schaffen ist, ist uns gelungen: Wir wollten kein Szeneladen sein, wir wollten ein Café für alle sein. Den Generationsmix den meine Mutter und ich abbilden, den wollten wir auch hier erleben.

Und wie ging es dann weiter?

Vera: Als wir den Vertrag unterschrieben hatten, ging alles ganz schnell. Wir haben mit einem tollen Architekten zusammen gearbeitet, der für uns das Nutzungskonzept gemacht hat: Wie groß darf die Theke sein, wo müssen wieviel Stühle und Tische und Lampen stehen. Und dann hat meine Mutter auf Flohmärkten oder Haushaltsauflösungen die Sachen zusammen gesucht. Das meiste ist alt, was neu ist, haben wir so modifizieren lassen, dass es unserem Stil entspricht. Diese Tassen hier an der Wand sind die 55 Lieblingstassen aus einer riesigen Sammlung von meiner Mutter.

Wie lautet dein Konzept?

Vera: Eigentlich haben wir versucht, alles was wir lieben, in einen Laden unterzubringen. Kaffee und Kuchen, klar. Aber wir bieten auch Salate und Suppen usw. an. Was uns aber am meisten am Herzen liegt ist, dass alles selbstgemacht wird. Die Produkte, die wir anbieten konsumieren wir auch selbst und es war uns wichtig, ein Nachhaltigkeitskonzept zu entwickeln. Wir sind nicht 100 % Bio, kaufen aber sehr regional ein, versuchen auch immer etwas veganes anzubieten. Mein Anspruch ist, dass man sich hier wie im eigenen Wohnzimmer fühlen soll.

Einzigartig gemütlich, das Café "dicke lilli, gutes Kind", in der Mainzer Gaustraße.

Einzigartig gemütlich, das Café „dicke lilli, gutes Kind“, in der Mainzer Gaustraße.

Hast du das hier vermisst, gibt es solche Läden hier nicht?

Vera: Es liegt wohl daran, dass ich es aus London so kannte. Die Engländer haben schon ein anderes Dienstleistungs- und Serviceverständnis. Aktiv vermisst habe ich es vielleicht nicht, es war eher so, dass ich das, was ich dort so toll fand, hier auch machen wollte. Wir sind auch von unserer Persönlichkeit so: Offen und herzlich. Das ist uns einfach wichtig.

Kommen wir doch mal zu ein paar persönlichen Fragen. Wie sieht der beste Moment des Tages für dich aus?

Vera: Der beste Moment ist eigentlich, wenn ich morgens hier als erste hereinkomme und noch keiner hier ist. Und wenn mir dann mal wieder richtig bewusst ist, dass es mein Laden ist. Das ist ein Glücksgefühl.

Was inspiriert dich?

Vera: Also ehrlich gesagt, inspiriert mich viel, was ich aus London mitgenommen habe. Dort gibt es ganz viele tolle Cafés. Da hat sich eine Barista-Szene entwickelt. Kochbücher kaufe ich mir ohne Ende. England war für mich superprägend.

Was liebst du an Mainz?

Vera: Dass ich einen schönen Freundeskreis habe. Ich liebe, dass ich hier alles zu Fuß erreichen kann. In der Zeit, in der ich weg war, hat sich hier so viel getan. Es gibt eine richtige Gründer-Szene. Toll ist der Rhein, sind die Weinlokale.

Ein warmes Willkommen: Vera vor der "dicken lilli".

Ein warmes Willkommen: Vera vor der „dicken lilli“.

Wie sieht dein perfekter Tag in Mainz aus?

Vera: Wenn ich jemals einen freien Samstag hätte  würde ich aufs Marktfrühstück gehen. Und dann am Rhein entlang in die Neustadt gehen. Dort würde ich in irgendeinem von den neuen Läden das Frühstück probieren. Bei Großmanns würde ich mal vorbeischauen. Dann würde ich beim Hintz und Kuntz Mittagessen gehen. Kaffee und Kuchen würde ich im Café Blumen zu mir nehmen. Dann würde ich in die Altstadt zum Weinhaus Michel oder zum Bacchus gehen. Mein Tag ist nämlich schon immer nach Essen organisiert gewesen.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft?

Vera: Wenn ich jetzt mal die Zeit vorspule und überlege, dass dann mein Kind in die erste Klasse kommt, frage ich mich schon, ob ich dann hier auch noch Kaffee kochen will. Die Lilli würde ich niemals verkaufen. Die gehört zu uns, die gebe ich nicht her. Aber ich würde die Lilli nutzen um das, was ich hier gelernt habe, anderweitig anzubringen. So etwas wie eine Event-Agentur im Dicke Lilli-Style würde mir gefallen. Auf die Idee komme ich, weil ich so viele Anfragen von Leuten habe, die das hier machen wollen. Und diese Feiern erfüllen mich immer so. Aber mal sehen, wo mich das hinführt. 

Neugierig? Dann nix wie hin!

Dicke lilli, gutes kind Gaustraße, Ecke Breidenbacher Str. 9 55116 Mainz
E-Mail hello@dickelilliguteskind.de Facebook https://www.facebook.com/dickelilliguteskind

Öffnungszeiten: Mo – Fr 9 – 20 Uhr, Sa und So 10 – 20 Uhr.

 

 

 

 

 

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